Im April 2025 nahm die UNESCO den Nachlass des Philosophen, Dichters und Komponisten Friedrich Nietzsche (1844–1900) ins «Memory of the World»-Register auf. Dieses Register wurde 1995 geschaffen und verzeichnet Schriftstücke, Manuskripte, Bild-, Ton- und Filmdokumente, Buch- und Archivbestände sowie andere Dokumente, die den Selektionskriterien von internationalem Interesse und universellem Wert entsprechen.
Diese Auszeichnung würdigt die herausragende Bedeutung von Nietzsches literarischem Schaffen für die internationale Kultur- und Geistesgeschichte. Friedrich Nietzsche hat auch in der Schweiz – sowohl in Basel als auch in Sils (Oberengadin) – deutliche Spuren hinterlassen. Teile seines literarischen und biografischen Nachlasses befinden sich in der Universitätsbibliothek Basel, im Staatsarchiv Basel-Stadt und im Nietzsche-Haus in Sils Maria
Diese Originaldokumente verdankt die Stiftung „Nietzsche-Haus in Sils Maria“ dem deutsch-englischen Antiquar Albi Rosenthal (1914-2004) und seiner Frau Maud Rosenthal-Levy (1909-2007). In Oxford hatte das Ehepaar über Jahrzehnte eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Autographen, Musikalien, Fotografien, Erstausgaben und Widmungsexemplaren Nietzsches zusammengetragen. 1994 wurde die Sammlung der Silser Stiftung als Geschenk übergeben.
Dieses Briefkonvolut ist eine Schenkung des deutschen Ehepaars Annemarie und Siegfried Acker aus dem Jahr 2011 an das Nietzsche-Haus in Sils. Die Dokumente werfen ein neues Licht auf die Beziehung des Philosophen zu Louise Röder-Wiederhold, die ihn vom 8. Juni bis zum 6. Juli 1885 in Sils besuchte und der er „täglich ein paar Stunden meine Gedanken über die lieben Europäer von heute und – Morgen“ diktierte. Ein Teil dieser Diktate ging später in Nietzsches Werk Jenseits von Gut und Böse ein. Heinrich Köselitz hatte im Mai 1885 den Kontakt zwischen Nietzsche und Röder-Wiederhold hergestellt. Die neu entdeckten Briefe belegen nun, dass das freundschaftliche Band zwischen dem Philosophen und Louise auch lange nach der gemeinsamen Zeit in Sils nicht abriss.