Nietzsche-Zimmer

Das Zimmer im ersten Stock, das Friedrich Nietzsche sieben Sommer lang (1881 und 1883-1888) im Haus Durisch mietete, ist in seinem schlichten Originalzustand erhalten. Das Mobiliar stammt aus dem ältesten Silser Hotel, „Alpenrose“, in dem der Philosoph das Mittagessen einzunehmen pflegte. Links neben dem Fenster ist an der Wand ein Stück der Tapete zu sehen, die Nietzsche im Sommer 1883 auf eigene Kosten und nach einem selbst ausgewählten Muster anfertigen und anbringen liess. Es ist kein Zufall, dass auch die Tischdecke, wie die Tapete, in grünen Tönen gehalten ist. Auch in diesem Fall bestimmte der Philosoph selbst, welche Farbe der Stoff haben sollte. Nietzsche hat den „nächsten Dingen“, die unseren Alltag ausmachen, grosse Aufmerksamkeit geschenkt, denn er wusste um ihren unmittelbaren Einfluss auf Körper und Geist. Der Philosophieprofessor Paul Deussen, der Nietzsche im September 1887 in Sils Maria besuchte, hat in seinen Erinnerungen das Zimmer seines Freundes skizziert: „Am nächsten Morgen führte er mich in seine Wohnung, oder wie er sagte, in seine Höhle. Es war eine einfache Stube in einem Bauernhause, drei Minuten von der Landstrasse: Nietzsche hatte sie während der Saison für einen Franken täglich gemietet. Die Einrichtung war die denkbar einfachste. An der einen Seite standen seine mir von früher her meist noch wohlbekannten Bücher, dann folgte ein bäurischer Tisch mit Kaffeetasse, Eierschalen, Manuskripten, Toilettengegenständen in buntem Durcheinander, welches sich weiter über Stiefelknecht mit darin einen steckendem Stiefel bis zu dem ungemachten Bette fortsetzte.“