Sommermonate von 1884 bis 1888

Waren Nietzsche „die Abende, wo ich ganz allein, im engen niedrigen Stübchen sitze (…) harte Bissen zum Kauen“, so eröffnete ihm ab 1884 sein Mittagstisch im Hotel Alpenrose doch auch geselligen Kontakt zu einem Kreis kultivierter Damen, der sich in den folgenden Sommern fortsetzte und dem „Einsiedler von Sils Maria“ „als Kur und gelegentliche Medizin“, „nämlich von mir auf Stunden loszukommen“ hochwillkommen blieb. Nietzsches Umgang mit den „vortrefflichen Einwohner(n) von Sils“ beschränkte sich hingegen weitgehend auf seine Wirtsleute, den Pfarrer und den Dorfschullehrer. Am 20. September 1888 verliess Nietzsche zum letzten Mal Sils Maria, jenen Ort, dem – wie er in „Ecce homo“ schrieb – „meine Dankbarkeit das Geschenk eines unsterblichen Namens machen will“.

Sils als Ort der schöpferischen Produktivität

In Sils Maria ist ein bedeutender Teil von Nietzsches Werk entstanden: Das 2. und Entwürfe zum 3. Buch von „Also sprach Zarathustra“ im Sommer 1883, die Schrift „Jenseits von Gut und Böse“ (Aufzeichnungen dazu im Sommer 1885), die Konzeption wichtiger Vorreden zu früheren Schriften (Sommer 1886), die Streitschrift „Zur Genealogie der Moral“ (verfasst im Juli 1887), schliesslich die „Götzendämmerung“ und „Der Antichrist“ (beide im Sommer 1888).