Aktuelles Nietzsche-Kolloquium

Nietzsche Kolloquium 2019: DAS DOMINANTE UEBER-THIER – Nietzsches Konstruktionen von Männlichkeit

Donnerstag 26. September bis Sonntag 29. September 2019, ganztags, Hotel Waldhaus Sils

Nietzsche hat die Geschlechter-Stereotypien durcheinander gewirbelt. Lange vor der feministischen Kontroverse, ob eher Sex oder Gender zur Prägung der männlichen und weiblichen Geschlechtsidentität beitrage, ist er der Frage nachgegangen, wie biologische Faktoren einerseits, kulturelle und soziale Normierungen andererseits auf das Selbstverständnis von Menschen einwirken, die sich ständig mit den widerstreitenden Bedürfnissen von Körper und Geist konfrontiert sehen. Als Physiologe konstatiert Nietzsche, dass es „im Grunde von uns, ganz ‚da unten’ […] etwas Unbelehrbares, einen Granit von geistigem Fatum“ gibt (JGB; KSA 5, 170), dessen Gewicht die Ich-Identität durchgängig erdet. Als Philosoph und Psychologe interessiert ihn der Umgang mit dem jeweiligen Ich-Kern, der sich sämtlichen von ‚da oben’ erfolgenden Anweisungen beharrlich widersetzt. Geistige Geltungsansprüche in Form moralischer und sozialer Normen vermögen das Geschlecht nicht zu beeindrucken, weil sie mit ihren Forderungen auf „Granit“ beissen.

Es bedarf daher einer anderen Koordination von „Unten“ und „Oben“. Für den Mann, „der von Natur aus  H e r r  ist“ (ebd., 293), entwickelt Nietzsche idealtypische Konstruktionen von Männlichkeit,  gegen die er Modelle weiblicher Selbstbestimmung scharf abgrenzt. Seine boshaften Angriffe auf „das Weib an sich“ sind legendär und haben ihm den Vorwurf der Misogynie eingetragen. Dabei wurde oft übersehen, dass er auch die rollenspezifischen Anmassungen der Männer mit Hohn und Spott überzog.

Das Kolloquium ist öffentlich und wendet sich nicht nur an Spezialisten, sondern generell an ein interessiertes Publikum. Die Veranstaltungen können einzeln besucht werden.

Preise: Tagungskarte CHF 180.- (Studierende CHF 50.-) / Einzelkarten CHF 20.- (Studierende CHF 10.-) / Konzert CHF 30.- (Studierende CHF 20.-)
Voranmeldung nicht nötig.

Themen der vergangenen Nietzsche-Kolloquien

Das Silser Nietzsche-Kolloquium, das seit 1978 stattfindet, wendet sich nicht nur an Spezialisten, sondern generell an ein inter­essiertes Publikum. Ziel ist es, Ergeb­nisse aus der wis­senschaftlichen Forschung breiter bekannt zu machen und eine offe­ne, kritische Reflexion und Diskussion über Nietzsche, sein Werk und dessen Wirkung anzuregen.

Nietzsche Kolloquium 2018: Wahrheit und Lüge

Donnerstag 27. September bis Sonntag 30. September 2018, ganztags, Hotel Waldhaus Sils

Der Gegensatz von Wahrheit und Lüge, der weltpolitisch wieder so aktuell geworden ist, hat mit Nietzsche seine Unschuld verloren. Weil wir die Wahrheit an sich nicht haben, ist auf vielfältige Weise – nicht nur politisch und medial, sondern auch philosophisch und wissenschaftlich – entscheidbar geworden, was jeweils als Wahrheit und was als Lüge gelten soll, und solche Entscheidungen können außermoralisch und moralisch, faktisch und kontrafaktisch geprägt sein. Nietzsche hat als „Narr“, „Dichter“ und „Philosoph der Zukunft“ in seinem Werk ein faszinierendes Spektrum eröffnet, mit den irritierenden Entscheidungsspielräumen umzugehen.

Das Kolloquium ist öffentlich und wendet sich nicht nur an Spezialisten, sondern generell an ein interessiertes Publikum. Die Veranstaltungen können einzeln besucht werden.

Preise: Tagungskarte CHF 180.- / Einzelkarten CHF 20.- / Konzert CHF 30.-
Voranmeldung nicht nötig.

PROGRAMM

Nietzsche Kolloquium 2017: Zarathustra und Dionysos

Donnerstag 28. September bis Sonntag 1. Oktober 2017, ganztags, Hotel Waldhaus Sils

Friedrich Nietzsche erklärte Also sprach Zarathustra in seiner späten Selbstdarstellung Ecce homo zu seinem zentralen Werk: „Innerhalb meiner Schriften steht für sich mein Zarathustra“; Also sprach Zarathustra sei „das eigentliche Höhenluft-Buch“. Die „Grundconception“ dazu fand Nietzsche in Sils Maria, „6000 Fuss jenseits von Mensch und Zeit“. Ebenfalls in Ecce homo bezeichnet Nietzsche die Dionysos-Dithyramben voller Dankbarkeit als ein „Geschenk“ des „letzten Vierteljahrs“. Es war die erneute Beschäftigung mit seinen Zarathustra-Aufzeichnungen im Silser Sommer 1888, aus der schließlich Nietzsches letzte Dichtung entsprang, die Dionysos-Dithyramben.

Das Nietzsche-Kolloquium 2017 wird sich in Vorträgen und Lektüregruppen diesen beiden Werken, ihrem Verhältnis zueinander oder den literarischen und philosophischen Fragen widmen, die sich aus einer Lektüre von heute ergeben können.

Das Kolloquium ist öffentlich und wendet sich nicht nur an Spezialisten, sondern generell an ein interessiertes Publikum. Die Veranstaltungen können einzeln besucht werden.

Preise: Tagungskarte CHF 180.- / Einzelkarten CHF 20.- / Konzert CHF 30.-
Voranmeldung nicht nötig.

PROGRAMM

 

Nietzsche Kolloquium 2016: „Die Demokratisirung Europa´s ist unaufhaltsam“ (MAII, §275) – Nietzsche und die Politik

Donnerstag 29. September bis Sonntag 2. Oktober 2016, ganztags, Hotel Waldhaus Sils

Jenseits der oft pauschalisierenden Zuordnungen Nietzsches in eine antidemokratische Tradition wird am Kolloquium versucht, den Ort des radikalen Philosophen im politischen Denken von verschiedenen Seiten her zu orten. Neben den Referaten international renommierter Nietzsche-Forscher finden wieder Lektüregruppen statt und neu auch ein «Forum junger Nietzscheforscher» mit Impulsreferaten von Nachwuchswissenschaftlern.

Preise: Tagungskarte CHF 180.- / Einzelkarten CHF 20.- / Konzert CHF 30.-
Voranmeldung nicht nötig.

PROGRAMM

Nietzsche-Kolloquium 2015: „Musik des Lebens“

Donnerstag, 24. bis Sonntag, 27. September 2015, ganztags, Hotel Waldhaus Sils

Im fünften Buch seiner „Fröhlichen Wissenschaft“, das erst 5 Jahre nach den ersten vier Büchern erschien, vertieft Nietzsche in 40 Aphorismen von rundum ausgereifter, gelassener Heiterkeit und einem ausgelassen tänzerischen Epilog sein Philosophieren noch einmal. Er spricht nun von der „Musik des Lebens“, die die Philosophie seit alters mit ihren Idealismen übertönt habe. International bekannte Nietzsche-Forscherinnen und -Forscher wollen sie wieder zum Hören bringen.

Preise: Tagungskarte CHF 180.- / Einzelkarten CHF 20.- / Konzert CHF 30.-
Voranmeldung nicht nötig.

PROGRAMM

 

2014

Friedrich Nietzsche als Aufklärer?

PROGRAMM

2013

„Alle Lust will Ewigkeit“

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2012

Ursprünge und Anfänge

Friedrich Nietzsches Basler Zeit

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2011

Friedrich Nietzsche als Lyriker

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2010

Friedrich Nietzsche und die Natur

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2009

„Ecce homo“

Friedrich Nietzsches Rückblicke

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2008

„Nach neuen Meeren“

Friedrich Nietzsches Aufbrüche

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2007

„Werde der du bist“

Stile des Lebens und des Schreibens bei Friedrich Nietzsche

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2006

„Jenseits von Gut und Böse“

Friedrich Nietzsches Moralkritik

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2005

Friedrich Nietzsche als Dichter

Nietzsche und die Weltliteratur

PROGRAMM

2004

Die Rechtfertigung der Welt durch die Kunst

PROGRAMM

2003

Friedrich Nietzsches zweite unzeitgemässe Betrachtung:

„Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“

PROGRAMM

2002

Friedrich Nietzsche und die Psychologie

Die Psychologie und Nietzsche

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2001

Friedrich Nietzsches Impulse zu neuen Lebensformen

(„Wir sind Experimente: wollen wir es auch sein!“ Morgenröthe, § 453)

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2000

„Also sprach Zarathustra“

1999

Nietzsche und die Politik

(„Erst von mir an giebt es auf Erden grosse Politik.“ Ecce homo IV, Text 1)

1998

Nietzsche im Spannungsfeld zwischen Orient und Okzident

(„… muss orientalischer denken lernen über Philosophie und Erkenntniß. Morgenländischer Überblick über Europa.“ Nachgelassenes Fragment, Sommer/Herbst 1884)

1997

Friedrich Nietzsche und das Christentum

(„… das nicht-fertig-werden mit dem Christenthum.“, Nachgelassenes Fragment, Herbst 1885-86)

1996

„Wir Frühgeburten einer noch unbewiesenen Zukunft“

(Fröhliche Wissenschaft, 5. Buch, § 382)

1994

Friedrich Nietzsches

„Gott ist tot“

1993

Friedrich Nietzsche

„Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“